Die aktuelle Diskussion rund um Kinderbetreuung, Care Arbeit und Pensionssplitting zeigt einmal mehr, dass bei der finanziellen Absicherung von Frauen im Alter weiterhin Handlungsbedarf besteht. „Kinderbetreuung und die Betreuung oder Pflege von Angehörigen werden nach wie vor zu einem großen Teil von Frauen übernommen. Damit verbunden sind häufig Teilzeitarbeit und geringere Einzahlungen auf das eigene Pensionskonto. Die Auswirkungen davon zeigen sich oft erst Jahrzehnte später bei der Pension“, betont LAbg. Beate Scheiber, Landtagsabgeordnete und Landesleiterin der Tirolerinnen in der Tiroler Volkspartei..
Eine Möglichkeit, diese Nachteile zumindest teilweise auszugleichen, ist das Pensionssplitting. Seit 2005 können Eltern freiwillig einen Teil der Pensionsgutschriften des erwerbstätigen Elternteils auf das Pensionskonto jenes Elternteils übertragen, der sich überwiegend der Kindererziehung widmet.
Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings deutlich, dass die freiwillige Lösung allein zu wenige Familien erreicht. „Wir haben das freiwillige Pensionssplitting seit mehr als 20 Jahren. Wenn wir trotz steigender Zahlen österreichweit noch immer bei weniger als 2.000 Übertragungen im Jahr liegen, müssen wir uns die Frage stellen, ob Freiwilligkeit allein tatsächlich ausreicht“, so Scheiber.
Ein wesentlicher Punkt ist für Scheiber auch der noch immer geringe Bekanntheitsgrad des Pensionssplittings. Untersuchungen und Erfahrungen aus der Beratung zeigen, dass viele Frauen über diese Möglichkeit und deren langfristige Bedeutung für die eigene Pension nur unzureichend informiert sind. „Genau hier liegt für mich ein entscheidender Punkt. Freiwilligkeit kann nur dann wirklich funktionieren, wenn Frauen überhaupt wissen, welche Möglichkeiten sie haben. Wer mit 30 seine Arbeitszeit für die Familie reduziert, denkt verständlicherweise nicht immer daran, was diese Entscheidung mit 65 für die eigene Pension bedeutet. Wir müssen deshalb viel früher informieren und Bewusstsein schaffen“, so Scheiber.
Scheiber spricht sich deshalb dafür aus, die Diskussion über ein automatisches Pensionssplitting mit Opt out Möglichkeit wieder verstärkt zu führen: „Automatisch bedeutet nicht verpflichtend. Das ist mir besonders wichtig. Paare sollen weiterhin selbst entscheiden können. Aber wir sollten die Logik umdrehen. Das Pensionssplitting wird grundsätzlich berücksichtigt und wer es nicht möchte, kann sich bewusst dagegen entscheiden. Damit kommt das Thema automatisch auf den Tisch.“
Gerade darin sieht Scheiber einen wesentlichen Vorteil. Eltern würden frühzeitig dazu angeregt, sich gemeinsam mit ihrer finanziellen Absicherung im Alter auseinanderzusetzen: „Wir nehmen niemandem eine Entscheidung ab. Im Gegenteil. Paare beschäftigen sich bewusst damit und können sich selbstverständlich dagegen entscheiden. Für mich stärkt das die Wahlfreiheit, anstatt sie einzuschränken.“
Gleichzeitig betont Scheiber, dass das Pensionssplitting allein die Pensionslücke zwischen Frauen und Männern nicht schließen kann: „Pensionssplitting ist kein Allheilmittel. Aber es kann Frauen sehr wohl unterstützen. Wir brauchen gleichzeitig gute Kinderbetreuung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine partnerschaftliche Aufteilung von Care Arbeit und vor allem starke, eigenständige Erwerbsbiografien von Frauen.“
Entscheidend sei, Frauen möglichst früh über die langfristigen finanziellen Auswirkungen von Teilzeit und Familienarbeit zu informieren. „Wahlfreiheit setzt auch voraus, dass ich die finanziellen Konsequenzen meiner Entscheidung kenne. Deshalb müssen wir nicht nur über das Pensionssplitting sprechen, sondern insgesamt das Bewusstsein für die eigene finanzielle Absicherung stärken.“
Für Scheiber steht fest: „Familienarbeit ist gemeinsame Verantwortung. Diese gemeinsame Verantwortung sollte sich auch bei der Absicherung im Alter widerspiegeln. Die niedrigen Nutzungszahlen zeigen, dass Freiwilligkeit allein zu wenige erreicht. Ein automatisches Pensionssplitting mit Opt out wäre aus meiner Sicht ein sinnvoller nächster Schritt. Nicht als Allheilmittel, sondern als wichtiger Baustein für mehr finanzielle Sicherheit von Frauen im Alter.“
Im Jahr 2025 wurden österreichweit lediglich 1.877 Übertragungen im Rahmen des Pensionssplittings durchgeführt. Das war zwar ein neuer Höchststand, dennoch bleibt die tatsächliche Nutzung sehr gering. 2024 waren es 1.600 Übertragungen, 2023 lediglich 1.471. Zum Vergleich wurden 2025 in Österreich rund 76.000 Kinder geboren. Aufgrund der längeren Antragsfrist können diese Zahlen zwar nicht unmittelbar als Nutzungsquote gegenübergestellt werden. Die Größenordnung zeigt aber deutlich, wie wenig das freiwillige Pensionssplitting bisher in Anspruch genommen wird.